Wer eine Immobilie verkaufen möchte, steht früher oder später vor einer grundlegenden Frage:
Soll ich meine Immobilie selbst verkaufen oder einen Makler beauftragen?
Die Überlegung ist nachvollziehbar: Bei einem Verkaufspreis von 500.000 Euro oder mehr wirkt die Maklerprovision zunächst wie ein erheblicher Kostenfaktor. Viele Eigentümer fragen sich deshalb, ob sie diesen Betrag nicht sparen können, indem sie den Verkauf selbst übernehmen.
Tatsächlich kann ein Privatverkauf funktionieren. Gleichzeitig unterschätzen viele Eigentümer den Aufwand, die Risiken und die finanziellen Auswirkungen einzelner Fehler.
Statt zu fragen „Kann ich meine Immobilie selbst verkaufen?“ sollte man sich deshalb fragen: „Erziele ich am Ende das gleiche Ergebnis?“
Ja. Gerade in gefragten Regionen wie Frankfurt, Bad Vilbel, Maintal oder dem Vordertaunus finden viele Eigentümer auch ohne Makler Interessenten.
Immobilienportale machen es heute einfach, eine Immobilie online zu präsentieren. Grundrisse können digital bestellt werden und professionelle Fotos sind bereits für einige hundert Euro verfügbar. Der Zugang zum Markt ist also deutlich einfacher geworden.
Die eigentliche Herausforderung beginnt jedoch erst nach der Veröffentlichung der Anzeige.
Der offensichtlichste Vorteil ist die eingesparte Provision. Viele Eigentümer schätzen außerdem die Kontrolle über den Verkaufsprozess und die direkte Kommunikation mit Interessenten. Wer bereits Erfahrung mit Immobilien hat oder beruflich mit Verhandlungen arbeitet, kann durchaus erfolgreich selbst verkaufen.
Während die Maklerprovision sofort sichtbar ist, bleiben die Kosten eines Privatverkaufs oft unsichtbar. Dazu gehören:
Vor allem aber gibt es einen Punkt, der häufig unterschätzt wird: Der richtige Verkaufspreis
Viele Eigentümer konzentrieren sich auf die eingesparte Provision. Dabei wird häufig übersehen, dass eine fehlerhafte Preisstrategie deutlich teurer werden kann.
Wird eine Immobilie beispielsweise nur fünf Prozent unter ihrem Marktwert verkauft, entstehen bei einem Verkaufspreis von 800.000 Euro bereits 40.000 Euro Verlust. Das übersteigt oft die gesamte Maklerprovision.
Ein zu niedriger Preis führt zu einem direkten finanziellen Verlust. Ein zu hoher Preis kann jedoch ebenfalls sehr schnell teuer werden.
Immobilien, die über längere Zeit am Markt sind, werden von Käufern oft kritisch betrachtet. In vielen Ratgebern liest man, Interessenten würden sich folgende Fragen stellen:
Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass vor allem Emotion eine Rolle spielt: Kaufinteressenten betrachten den Markt heute sehr genau, informieren sich intensiv und kennen Preise oft so gut wie Makler, bevor sie zuschlagen. Wenn eine Immobilie zu teuer inseriert ist, entsteht eine innere Abwehrhaltung. Und wenn der Preis dann fällt, folgt nur zu gerne die Schadenfreude.
Dadurch verschlechtert sich die Verhandlungsposition des Verkäufers immens.
Viele Eigentümer verbinden die Arbeit eines Maklers vor allem mit:
Das sind klassischen Kernleistungen und das, was nach Außen hin oft am sichtbarsten ist. Der eigentliche Mehrwert entsteht jedoch meist an anderer Stelle:
Der Verkauf einer Immobilie ist letztlich kein Marketingprojekt, sondern eine wirtschaftliche Entscheidung.
Eine Besichtigung bedeutet noch lange nicht, dass ein Interessent die Immobilie tatsächlich kaufen kann. Abgesehen davon, dass man leider häufig mit Immobilientouristen – und solchen, die nicht einmal wissen, dass sie welche sind – zu tun hat.
In der Praxis scheitern Verkäufe vor allen Dingen heute an fehlender oder objektspezifisch scheiternder Finanzierung, unklaren Eigenmitteln und unrealistischen Preisvorstellungen auf Käuferseite.
Eine sorgfältige Vorqualifizierung der Interessenten spart oft dutzende Termine und damit Wochen oder sogar Monate an Arbeit im Verkaufsprozess.
Ein weiterer Punkt, der häufig unterschätzt wird, betrifft die Haftung. Verkäufer müssen bekannte Mängel offenlegen.
Wer relevante Informationen verschweigt oder falsche Angaben macht, kann auch nach dem Verkauf noch mit rechtlichen Auseinandersetzungen konfrontiert werden.
Dazu zählen beispielsweise Feuchtigkeitsschäden, bekannte Baumängel, Altlasten, u.U. Baulasten oder frühere Wasserschäden.
Eine saubere Dokumentation schützt beide Seiten.
Ein Privatverkauf kann insbesondere dann funktionieren, wenn bereits ein Käufer vorhanden ist und umfangreiche Marktkenntnisse bestehen. Auch kann man ihn versuchen, wenn ausreichend Zeit vorhanden ist und die Immobilie einfach zu bewerten ist. Wobei so ein Experiment zeitlich begrenzt sein sollte, um lange Standzeiten auf den Portalen zu vermeiden.
In diesen Fällen kann ein Eigentümer durchaus erfolgreich selbst verkaufen.
Je komplexer die Situation, desto stärker steigen die Vorteile professioneller Begleitung.
Typische Beispiele sind Erbengemeinschaften, Scheidungen oder vermietete Immobilien. Aber aus meiner Sicht profitieren vor allen Dingen sanierungsbedürftige Häuser oder hochwertige Immobilien wie Neubauten oder Premiumlagen von professionellem Verkauf. Gerade bei Immobilien mit hohem Wert können kleine Fehler erhebliche finanzielle Auswirkungen haben.
Auch in persönlich schwierigen Situationen, wie bei Verkaufsdruck durch Fristen o.Ä. kann ein Makler den Druck vom Kessel nehmen.
| Privatverkauf | Verkauf mit Makler |
|---|---|
| keine Provision | zusätzliche Kosten |
| eigener Zeitaufwand | deutliche Zeitersparnis |
| eigene Preisfindung | professionelle Bewertung |
| eigene Verhandlung | professionelle Verhandlung |
| eigenes Risiko | Risikoreduktion |
| volle Eigenverantwortung | Begleitung durch den gesamten Prozess |
Es gibt nicht die eine richtige Lösung für jeden Eigentümer.
Ein Privatverkauf kann funktionieren und in bestimmten Situationen die richtige Entscheidung sein.
Gleichzeitig sollte die Entscheidung nicht allein auf Basis der eingesparten Provision getroffen werden.
Entscheidend ist das Gesamtergebnis:
Wer diese Fragen ehrlich beantwortet, findet schnell heraus, welcher Weg zur eigenen Situation passt.
Eine unverbindliche Marktwerteinschätzung oder ein Gespräch mit einem Makler verpflichtet zu nichts – kann aber helfen, die eigene Entscheidung auf einer fundierten Grundlage zu treffen.
Ihr
Stephan Böhm